Kindle als App
Die Tage war ich im Kindle-Shop von Amazon stöbern. Mehr als 650000 Bücher insgesamt, alleine im Bereich "kostenlose Klassiker" finden sich über 5000 Titel. Dabei einige für mich recht interessante.
Nun bin ich leider nicht die größte Leseratte. Ich lese zwar generell viel, aber meist nur Artikel - ganze Bücher sind die Ausnahme. Da stellt man sich schon die Frage ob sich 139 € für den günstigsten Kindle lohnen. Insbesondere wenn man sich eben erst ein iPad 2 gegönnt hat. Aber Amazon meint es mit dem Vertrieb von digitalen Büchern offenbar ernst: Es gibt Apps für alle gängigen Systeme.
Also die Kindle-App auf dem iPad installiert und losgelegt. Die Einrichtung der App ist sehr einfach: Beim ersten Start wird nach E-Mail-Adresse und Passwort für ein Amazon-Konto gefragt, alternativ kann man sich ein neues Konto anlegen. Ich habe einfach meine üblichen Daten verwendet, nach wenigen Sekunden war der Spuk vorbei und die Kindle-App nutzbar. Soweit vorbildlich.
Im Urzustand ist die App leer und zeigt lediglich ein paar Links an, u.a. zum Shop. Nach einem Klick darauf wird in einem Browser der Kindle-Shop aufgerufen. Hier hat man jetzt die Möglichkeit wie gewohnt durch Amazon zu stöbern und Bücher zu kaufen. Der Unterschied: Beim Kauf wählt man die digitale Version und ein Gerät auf das der Einkauf kopiert werden soll. Die Sache mit der Geräteauswahl ist nervig wenn man nur ein Gerät hat, macht insgesamt aber Sinn da man durchaus mehrere Geräte an seinen Account binden kann. Nach 26 kostenlosen Einkäufen hatte ich erst einmal genug und habe wieder die Kindle-App gestartet.
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Innerhalb der App wurden nach einem manuellen Start der Synchronisierung schnell alle gekauften Bücher mit Ladebalken angezeigt, alles in allem hat der Download der Bücher vielleicht eine Minute gedauert. Nach dem Download kann man Bücher per anklicken öffnen und dann lesen. Hier kam für mich die erste Enttäuschung: "Die Germania" war nicht lesbar, einzelne Seiten wurden abgeschnitten angezeigt. Scrollen ist in der App scheinbar nicht vorgesehen; umblättern hat den fehlenden Teil nicht erscheinen lassen. Das trübt den Kindle-Spaß doch gewaltig.
Da für mich unbrauchbar habe ich "Die Germania" gelöscht, womit das Buch ins Archiv gewandert ist. Hier kann man alle Bücher wiederfinden die man jemals digital erworben hat, zwecks erneutem runterladen und lesen. Um das zu testen - und um zu sehen ob die iPad-App schuld an den Anzeigefehlern ist - habe ich mir auch auf meinem MacBook Pro die Kindle-App (gibt's im Mac App Store) installiert. Nach Anmeldung an der Kindle-App mit den selben Benutzerdaten konnte ich im Archiv alle gekauften Bücher, inkl. der Germania, finden und herunterladen. Es ist also tatsächlich ohne große Umwege möglich, seine Bücher auf mehreren Endgeräten vorzuhalten. Amazon verspricht sogar das auch Lesezeichen, Notizen etc. zwischen verschiedenen Geräten synchronisiert werden. Das habe ich jedoch noch nicht getestet.
Leider kam es auch in der Mac-App zu Anzeigefehlern, hier sind im Gegensatz zur iPad-App aber ganze Seiten einfach weiß geblieben. Andere Bücher wurden fehlerfrei angezeigt, im Falle der Germania scheint es tatsächlich an der Datei - oder an der Kombination Datei und App - zu liegen das es zu Fehlern kommt. Das ist ärgerlich, im Falle eines kostenlosen Buchs aber zu verkraften. Bei bezahlten Werken hingegen wäre das ein Killer-Kriterium.
Alles in allem macht das Kindle-Ökosystem auf mich dennoch einen guten Eindruck. Amazon schafft es, auf einfache Art und Weise digitale Bücher an den Kunden zu bringen. Wovon alle profitieren: Amazon spart Versandkosten, der Kunde spart Geld - Kindle-Ausgaben sind scheinbar meist günstiger als gedruckte - und Platz. Hinzu kommt die sofortige Verfügbarkeit eines Buches. Die prominente Platzierung des Kindles auf Amazons Homepage, das äußerst reichhaltige, kostenlose Angebot an Klassikern und die Apps für alle gängigen Systeme lassen für mich keinen Zweifel: Amazon sieht in diesem Modell die Zukunft. Und das finde ich gut. Späterer Kindle-Kauf nicht ausgeschlossen.